Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse

 
   
     
 
 
     
  Auszug aus meinem Tagebuch:  
  Brief an einen Reiterhof
April 2009
 
     
     
  Sehr geehrte Frau W.,

ich war gestern zu Besuch auf Ihrem Reiterhof.

Was ich gesehen habe, hat mich nachdenklich und traurig gestimmt.

Die Kinder gehen respektlos mit den Pferden um, tatschen ihnen unachtsam ins Gesicht, ziehen sie unaufmerksam hinter sich her, machen Lärm, bewegen sich in der Nähe der sensiblen Tiere ohne Bewusstsein, usw.
Auf pferdegerechten Reiterhöfen werden die Kinder angewiesen, den Pferden als vollwertigen Mitgeschöpfen respektvoll und achtsam entgegen zu treten. Die Lehrer und Verantwortlichen dort, geben ein gutes Beispiel.
Davon habe ich bei Ihnen leider nichts bemerkt, eher im Gegenteil: grober Umgang scheint untereinander "cool" zu sein.
Sehen Sie sich als Leiterin eines Reitstalles nicht in der Verantwortung den Menschen Respekt gegenüber unseren Partnern den Pferden zu lehren?
Sind Sie selbst vorbildlich in Ihrem Verhalten?

Das was ich auf Ihrem Hof reiterlich gesehen habe, ist NICHT im Sinne der Klassischen Reitlehre! Vielleicht haben Sie einmal von der Skala der Ausbildung gehört, u.a. gehört dazu Takt, Losgelassenheit und Schwung. Keines Ihrer Pferde und ebenso wenig die Reiter zeigten ansatzweise Teile der Ausbildungsskala.
Losgelassenheit, Takt und Schwung ist auch gar nicht möglich, wenn der Reiter vorne zieht und hinten drückt, klemmt und schiebt!
Ist Ihnen als Reitlehrerin bewusst, dass Reiten weder Kraftsport noch Handwerk ist!?! Ihren Pferden ist anzusehen, dass sie regelmäßig falsch (gesundheitsschädigend) geritten werden, die Muskeln ihrer Pferde sind an den "falschen" Körperstellen. Durch richtiges Training bilden Pferde andere Muskeln aus (nachzulesen z.B. bei Dr. Gerd Heuschmann und Dr. Studolka).
Liegt es nicht in Ihrer Verantwortung, Ihre Pferde durch das Reiten GESUND zu erhalten, anstatt sie zu verschleißen. Was ich bei Ihnen gesehen habe, macht Pferde krank, z.B. Rücken wegdrücken (durch starkes Klemmen und Schieben des Reiters / steifen Sitz, angespannte Reiterbeine), Einrollen und/oder Verwerfen des Kopfes (durch zu heftige, dauerhafte, nicht nachgebende Zügeleinwirkung), Auf-der-Vorhand-laufen (fehlende/falsche Grundausbildung des Pferdes und falsches Reiten: wenn der Reiter dem Pferd in den Rücken drückt und den Kopf "heranzieht", kann das Pferd den Rücken nicht wölben und dadurch auch nicht mit den Hinterbeinen unter den Schwerpunkt fußen), uvm. Keines Ihrer Pferde kann Vorwärtsgehen und Schwung entwickeln, wenn es vorne festgehalten und hinten geschoben wird - logische Physik ist das.
Reiten im Sinn der Klassischen Reitlehre hat etwas zu tun mit Leichtigkeit und Gefühl! Es sollte einem Tanz gleichen, nicht Holzhacken. Der Reiter sollte nur wenige Gramm Gewicht in den Händen haben, der Sitz sollte locker-mitgehend sein. So können Pferde überhaupt erst laufen!

Es mag sein, dass es der Normalität entspricht, was Sie auf Ihrem Hof tun und lehren. Es könnte allerdings sein, dass Sie evtl. so viel Ehrgefühl und Verantwortungsbewusstsein haben, dass Sie über meine Worte nachdenken, sich bei entsprechenden Trainern/Pferdeleuten weiterbilden und schulen lassen um dann das Gelernte an Ihre Schüler weiter zu geben.
Ich möchte Ihnen zudem empfehlen, die Richtlinien für Reiten und Fahren AUFMERKSAM zu studieren. Desweiteren möchte ich Ihnen nahe legen, sich Bücher über Pferdeanatomie und Gesunderhaltung/Funktionsweise des Bewegungsapparates zu Gemüte zu führen, damit Sie ein Bewusstsein für richtig (=gesund) und falsch (=krankmachend) bekommen.

Ich möchte Sie eindringlichst bitten, unseren Partnern den Pferden mehr Respekt entgegen zu bringen. Pferde sind sanftmütige, einfühlsame, sehr soziale Wesen. Sie fordern von uns Menschen Klarheit und Präsenz. Nicht aber Grobheit und Respektlosigkeit. Sie haben als Lehrerin und Leiterin eines Hofes eine große Verantwortung, bitte nehmen Sie diese im Sinne unserer Mitgeschöpfe wahr.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, welch herrliches Gefühl es ist, wenn man "richtig" reitet - MIT dem Pferd, nicht nur auf dem Pferd. Gemeinsam mit dem Pferd in der Bewegung größer, stolzer, eleganter, schöner werden --- DAS ist Reiten, und jeder Mensch, der Geduld, Zeit und Gefühl aufbringen möchte, kann es lernen.

Ich wünsche Ihnen und vor allem Ihren Pferden alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen.

Karin Rupprecht

 
     
 
 
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